US-Ölsektor warnt vor möglichem Exportverbot für Diesel
Der von US-Präsident Donald Trump ins Spiel gebrachte Exportstopp von Diesel stößt in der heimischen Ölindustrie auf Widerstand. Dutzende US-Organisationen der Branche sowie mehrere Handelskammern riefen Trump in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief dazu auf, von dem Vorhaben abzusehen. Andernfalls drohten Preisanstiege und Versorgungsprobleme.
"Wir fordern Sie dringend auf, die Forderungen nach einem Verbot oder einer Beschränkung der Exporte von Diesel und anderen Erdölprodukten zurückzuweisen", schrieben die Organisationen in dem Brief. Den Unterzeichnern zufolge würde ein solcher Schritt "zu einer geringeren Kraftstoffproduktion, angespannteren Versorgungslagen und steigenden Kosten für amerikanische Haushalte, Landwirte und Lkw-Fahrer führen".
Sie hoben hervor, dass die Raffinerien des Landes "auf Hochtouren laufen, um die USA zu versorgen und zur Stabilisierung des weltweiten Kraftstoffmarktes beizutragen". Es werde zudem mehr produziert, als in den USA nachgefragt werde, was Exporte nach Lateinamerika und Europa ermögliche. Ein mögliches Exportverbot könne überdies eine Lücke hinterlassen, von der dann Konkurrenten der US-Raffinerien profitieren würden.
Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen die US-Handelskammer und die Handelskammern mehrerer Bundesstaaten, ebenso wie der Interessenverband American Petroleum Institute (API) und weitere Branchenverbände der Gas- und Ölindustrie in Bundesstaaten und Regionen, für die der fossile Sektor eine große Bedeutung hat - wie Texas, Oklahoma und Louisiana.
Analyst Andy Lipow von Lipow Oil Associates wies gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf die begrenzten Lagerkapazitäten der Raffinerien hin. Dies könnte demnach eine Drosselung der Dieselproduktion erforderlich machen, was sich dann auch auf andere Güter auswirkt: Sie würden "auch weniger Benzin, Kerosin und andere Erdölprodukte produzieren", erläuterte er. "Dies könnte zu Benzinknappheit und höheren Preisen an den Tankstellen führen."
Trump hatte sich am Dienstag für einen Exportstopp ausgesprochen. Nach Angaben seines Finanzministers Scott Bessent prüft die US-Regierung gerade, "ob ein vollständiges oder teilweises Verbot funktionieren würde". Zuletzt hatten die USA während der Ölkrise der 1970er Jahre ihre Ausfuhren von Rohöl weitgehend gestoppt, um die heimischen Preise zu senken.
Das Thema ist in den USA hochpolitisch, wo der Preisanstieg an den Tankstellen bei den Republikanern Befürchtung weckt, bei den wichtigen Zwischenwahlen Anfang November abgestraft zu werden. Am Dienstag erreichte der Preis für eine Gallone Diesel (3,78 Liter) dem Automobilverband AAA zufolge mit im Schnitt 6,53 Dollar einen neuen Höchststand - ein Jahr zuvor waren es noch 3,69 Dollar gewesen.
Auch in Deutschland und anderen europäischen Staaten sind die Spritpreise massiv gestiegen. Hauptgrund ist der durch Trump mitausgelöste Iran-Krieg, der sich massiv auf wichtige Handelsrouten auswirkt.
D.Gismondi--LDdC