Grindel erwartet nahendes Ende der Ära Infantino
Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht die Tage von Gianni Infantino als Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA langsam als gezählt an. Er könne sich für die Neuwahlen im März 2027 "nicht vorstellen, dass Gianni Infantino ohne Gegenkandidaten bleibt", sagte Grindel im Interview mit dem Nachrichtenportal t-online: "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er überhaupt bei der nächsten Wahl antritt." Doch mit einem Wechsel auf der Position des Präsidenten allein würden die Probleme noch nicht gelöst.
"Um für eine Machtbegrenzung in der FIFA zu sorgen, braucht es auch einen neuen Generalsekretär", ergänzte der 64-Jährige und spielte damit auf die enge Verbindung des Schweden Mattias Grafström zu Infantino an: "Die Kontinentalverbände sollten daran arbeiten, dass durch ein neues Führungsduo mehrere Kontinente vertreten werden und beide das feste Ziel haben, die FIFA in eine bessere Zukunft zu führen. Damit würde der Reformprozess im Verband dann auf mehrere Schultern verteilt."
Den internen Schulterschluss beim Weltverband im Rahmen der Krisensitzung von Rabat sehe er als "albern" an. "Es war wieder ein typischer Schachzug von Infantino", so Grindel: "Er bauscht eine Mitarbeitersitzung zur Krisensitzung auf, die völlig ohne sportpolitische Bedeutung ist. Jetzt tut er so, als habe er den Rückhalt in der FIFA, weil ein paar von ihm handverlesene Leute doch keine Revolution machen." Es komme vielmehr auf die Reaktion des Councils des Weltverbandes um DFB-Präsident Bernd Neuendorf an.
Es sei definitiv so, "dass das Vertrauensverhältnis zwischen Infantino und den großen Kontinentalverbänden derart gelitten hat, dass man sich nicht vorstellen kann, wie eine Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll", führte Grindel aus. Es müsse nun "ein in mindestens drei Kontinentalverbänden überzeugender" Gegenkandidat gefunden werden, der "den nationalen Verbänden die Furcht davor nehmen muss, dass sie die finanzielle Unterstützung seitens der FIFA verlieren".
G.Tomaselli--LDdC