Datenleck bei „Ein Prozent“: AfD-Politiker als Spender offengelegt
Durch ein Datenleck des rechtsextremen Vereins „Ein Prozent“ sind nun die Namen zahlreicher Spender öffentlich geworden. Die Enthüllungen zeigen, dass neben rechten Aktivisten auch aktive AfD-Politiker wie Hannes Gnauck und Sebastian Maack sowie der sachsen-anhaltinische Ministerpräsidentenanwärter Ulrich Siegmund das Projekt finanziell unterstützen.
Ein Hackerkollektiv hat Daten des als gesichert rechtsextrem eingestuften Vereins „Ein Prozent“ offengelegt, wodurch die Identität zahlreicher Spender transparent wurde. Unter den Betroffenen befinden sich nicht nur rechtsextreme Aktivisten, sondern auch mehrere aktive Abgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD) sowie deren Jugendorganisationen. Der Verein hatte die Datenentwendung bestätigt und von rund 1.000 betroffenen Personen gesprochen.
Das Hackerkollektiv „Propane“ gab an, im Juli Zugriff auf die Daten des Vereins erlangt zu haben, die einen Zeitraum von 2021 bis Juli umfassen. Medien wie die taz konnten diese Informationen prüfen und auswerten. „Ein Prozent“ rühmt sich selbst als größtes patriotisches Netzwerk und Widerstandsplattform in Deutschland. Die Organisation positioniert sich gegen Masseneinwanderung und die sogenannte politische Kaste. Bereits 2023 hatte der Verfassungsschutz den Verein als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Im Fokus der Enthüllungen steht der sogenannte „Solifonds“, den der Verein im Jahr 2021 auflegte. Laut eigenen Angaben schüttet dieser Gelder an Opfer von migrantischer und linksextremer Gewalt aus, förderte aber auch Beschuldigte wegen Volksverhetzung. In den vergangenen Jahren sollen insgesamt gut 148.000 Euro ausgezahlt worden sein. Die Spenden für diesen Fonds reichen von einem Euro bis hin zu 31.000 Euro von einem ehemaligen Aktivisten gegen die Corona-Maßnahmen aus Hessen.
Besonders auffällig ist die Beteiligung zahlreicher AfD-Politiker an der Finanzierung. Zu den Spendern gehören Bundestagsabgeordnete wie Hannes Gnauck, Sebastian Maack, Robert Teske, Uwe Schulz, Lars Schieske, Thomas Dietz und Thomas Ladzinski. Auch der frühere Abgeordnete Peter Bystron wird in den Daten geführt. Auf Landesebene unterstützen diverse AfD-Abgeordnete das Projekt. Dazu zählt Ulrich Siegmund, Ministerpräsidentenanwärter der AfD in Sachsen-Anhalt, der 500 Euro spendete. Siegmund hatte seine Unterstützung für „Ein Prozent“ bereits öffentlich gemacht und trat dort auch in einem Podcast auf. Der Verein lobte Siegmund im Jahr 2021 als Freund und Unterstützer des patriotischen, außerparlamentarischen Vorfelds.
Auch die Jugendorganisationen der AfD sind in den Daten verzeichnet. Jean-Pascal Hohm, Landesabgeordneter der AfD in Brandenburg und Chef der Jugendgruppe „Generation Deutschland“, zählt zu den Spendern. Hohm war früher Praktikant bei dem Verein und produzierte Erklärvideos für das Projekt. Zudem spendeten drei Landesverbände der ehemaligen AfD-Jugend „Junge Alternative“: Sachsen-Anhalt, Hessen und Nordrhein-Westfalen, wobei letzterer 2.500 Euro beisteuerte. Auch der AfD-Kreisverband Hochsauerlandkreis überwies 150 Euro.
Neben der AfD-Partei und ihren Jugendorganisationen werden auch Vertreter der rechtsextremen Szene als Unterstützer genannt. Die Kleinpartei „Freie Sachsen“ spendete 1.000 Euro, die völkische Siedlergruppe „Weda Elysia“ aus Sachsen-Anhalt ebenfalls. Der Neonazi Sven Krüger aus der Dorfgemeinschaft Jamel in Mecklenburg-Vorpommern ist ebenfalls verzeichnet. Krüger wurde kürzlich zu einer Geldstrafe von 7.000 Euro wegen unerlaubten Besitzes von Sprengstoff und Waffen verurteilt. Auch der bekannte Neonazi Alexander Deptolla, der früher die Kampfsport-Szeneevents „Kampf der Nibelungen“ organisierte, spendete an den Verein.
Darüber hinaus werden Verbindungen zu identitären Kreisen deutlich. Der Identitäre-Wortführer Martin Sellner wurde in der Vergangenheit vom Verein unterstützt. Zu den Spendern zählt auch Sellners Wiener Kompagnon Philipp Huemer, der 100 Euro beisteuerte. Huemer gründete mit Sellner ein „Institut für Remigration“, das als rechtsextremer Pseudo-Thinktank gilt. Er war früher Chefredakteur des rechtsextremen Heimatkurier und beim Sender AUF1 tätig. Dass Huemer spendet, steht im Kontext der gegenseitigen Unterstützung: „Ein Prozent“ stellte dem Heimatkurier zuvor 2.000 Euro für ein Gerichtsverfahren zur Verfügung, das dieser verlor.
Auf Nachfragen der taz antworteten die genannten Spender nicht. Der Verein „Ein Prozent“ erklärte, dass vom Leak nur Spender über die eigens eingerichtete Website des Solifonds betroffen seien. Personen, die klassisch per Banküberweisung spendeten oder sonstige Förderer des Vereins, seien nicht in den Daten enthalten. Zudem äußerte der Verein Zweifel an der Authentizität der veröffentlichten Daten, da diese möglicherweise nachträglich verändert worden sein könnten. Prüfungen durch die taz ergaben jedoch bisher keine Hinweise auf eine Manipulation.
Die Hackergruppe „Propane“ begründete ihre Aktion mit dem Ziel antifaschistischer Recherche. Sie verwies darauf, dass solche Recherchen unverzichtbar seien und zeigten, wie rechte Strukturen von innen heraus beleuchtet werden könnten. Dies diene der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit über die Finanzierung rechtsextremer Netzwerke.
F.dGiugiaro--LDdC