Heftige Zusammenstöße bei Räumung von Protestcamps in Portugal
Bei der Räumung von Protestlagern in den portugiesischen Städten Lissabon und Porto ist es am Sonntagmorgen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten gekommen. In der Hauptstadt Lissabon seien sechs Menschen festgenommen worden und in Porto sieben, weil diese sich geweigert hätten, ihre Zelte zu verlassen, erklärte die Polizei am Sonntag. Insgesamt wurden demnach 13 Polizisten verletzt. Aktivisten sprachen von mehr als 30 verletzten Demonstranten.
Zu den Zusammenstößen kam es, als die Sicherheitskräfte gegen 4.30 Uhr (Ortszeit, 5.30 Uhr MEZ) mit Spürhunden in die Zeltlager in Lissabon und Porto eindrangen. Einige Bewohner warfen daraufhin Flaschen und Farbe auf die Einsatzkräfte und skandierten: "Es riecht nach Diktatur!" und "Wir sind friedlich!".
Von den 13 verletzten Polizisten seien acht ins Krankenhaus gebracht worden, erklärte die Polizei. In Porto sei eine Gruppe Polizisten in Zivil attackiert worden, woraufhin ein Beamter seine Schusswaffe gezogen habe. Insgesamt sei der Einsatz "mit Härte, aber auch mit Ausgewogenheit und mit Respekt vor den Rechten der Bürger" erfolgt. In Lissabon wurden den Angaben zufolge 69 Zelte abgebaut und in Porto 30.
Die Aktivistengruppe Acampada Lisboa erklärte, mehr als 30 Demonstrierende seien verletzt worden. Zehn von ihnen mussten demnach im Krankenhaus behandelt werden. "Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen", hieß es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung. Sie war mit Fotos versehen, die den Angaben zufolge Demonstrierende mit Wunden und Blutergüssen zeigten.
Vor dem Hintergrund stark gestiegener Immobilien- und Mietpreise fordern die Demonstranten einen Verzicht auf geplante Gesetzesänderungen, die die Lage der Bürger weiter verschlechtern könnten. So plant die Mitte-rechts-Regierung, Mietobergrenzen bei Neuvermietungen zu streichen und Wohnungsräumungen zu erleichtern. Ministerpräsident Luís Montenegro macht für den angespannten Mietmarkt linke Vorgängerregierungen verantwortlich. Schon am vergangenen Wochenende waren Protestcamps in Lissabon und Porto geräumt worden.
U.Pagliarini--LDdC