Bolsonaro bezeichnet sich nach Flucht in die USA als "Anführer" Brasiliens
Der bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegene Kandidat Flávio Bolsonaro hat sich nach seiner Flucht in die USA als rechtmäßiger "Anführer" seines Landes bezeichnet. Im Onlinedienst X prangerte der Rechtspopulist am Mittwoch "Wahlbetrug" an. US-Präsident Donald Trump wollte sich nicht in den Streit um das Wahlergebnis einmischen. Auch Bolsonaros Wahlkampfchef Rogério Marinho weigerte sich, die Vorwürfe des Wahlbetrugs zu bekräftigen.
Zunächst hatte Bolsonaro auf X geschrieben: "Ich bin der gewählte Präsident." Minuten später änderte er den Beitrag und bezeichnete sich als der "Anführer" Brasiliens. Weiter schrieb Bolsonaro: "Die Kriminellen, die die Wahl in Brasilien gestohlen haben, sind Teil einer kriminellen Organisation, die eine Tyrannei errichtet hat." Bolsonaro kündigte an, die brasilianische Opposition künftig aus den USA anzuführen.
Bei der Stichwahl am Sonntag hatte der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva 51,8 Prozent der Stimmen erhalten, Bolsonaro kam auf 48,2 Prozent. Lula setzte sich nach einer spektakulären Aufholjagd gegen seinen Herausforderer durch; die letzten Befragungen vor der Stichwahl hatten noch Bolsonaro vorn gesehen. Bolsonaros Liberale Partei räumte anders als der Politiker selbst die Niederlage ein. Bolsonaro kündigte bereits am Wahlabend rechtliche Schritte an.
Bolsonaros Wahlkampfchef Marinho bekundete am Mittwoch zwar seine "Solidarität" mit Bolsonaro. Zudem bezeichnete er ihn als "politischen Exilanten". Allerdings distanzierte sich der Senator von Bolsonaros Stellungnahme nach seiner Flucht in die USA. "Die Liberale Partei kann dies nicht behaupten", sagte er zu Bolsonaros Vorwürfen des Wahlbetrugs vor Journalisten. "Es gibt keinerlei Beweise dafür."
Bolsonaro bezeichne sich selbst als Anführer, sagte Marinho weiter. Er fügte hinzu: "Das stimmt: Er ist ein Anführer."
Bolsonaro war am Mittwoch gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern auf dem Privatflughafen Opa-Locka nördlich von Miami gelandet, wie AFP-Reporter beobachteten. Der Politiker hatte Brasilien trotz eines Ausreiseverbots des Obersten Gerichtshofs verlassen und war über Argentinien und Ecuador in die USA gereist. Sein Reisepass war für ungültig erklärt worden, Bolsonaro besitzt allerdings auch die italienische Staatsangehörigkeit.
Das US-Außenministerium hatte der Familie Visa zugesagt. Medienberichten zufolge wollte Bolsonaro in den USA Asyl beantragen. US-Präsident Trump, der der Bolsonaro-Familie politisch nahesteht, hatte bereits Zweifel an Lulas Wahlsieg geäußert und von einer "manipulierten Wahl" gesprochen.
Am Mittwoch äußerte sich Trump jedoch vor Journalisten zurückhaltend. "Dazu werde ich mich nicht äußern, aber ich weiß, dass wir ihm die Einreise ins Land ermöglicht haben. Wir werden sehen", sagte Trump auf dem Militärstützpunkt Joint Base Andrews über Bolsonaro. "Aber ich werde mich nicht einmischen. Es war auf jeden Fall eine sehr merkwürdige Wahl."
Die brasilianische Polizei ermittelt gegen Bolsonaro unter anderem wegen Korruptions- und Geldwäscheverdachts im Zusammenhang mit einem Film über seinen inhaftierten Vater Jair Bolsonaro. Dieser war wegen eines Umsturzversuchs nach seiner Wahlniederlage 2022 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden.
A.Maggiacomo--LDdC