Merz verkündet Investitionszusagen in Höhe von rund 230 Milliarden
Bei einem internationalen Gipfel mit Unternehmenschefs in Berlin sind laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rund 230 Milliarden Euro an Investitionen zugesagt worden. Die Liste der Unternehmen, die Investitionen angekündigt hätten, sei "lang und umfangreich", sagte Merz zum Abschluss des Gipfels am Dienstag. Zusagen habe es etwa vom US-Internetriesen Amazon, dem US-Chiphersteller Nvidia, dem Energiekonzern RWE, der Schwarz-Gruppe, der US-Investmentgesellschaft Blackstone, dem US-Techkonzern Microsoft und dem Impfstoffhersteller Sanofi gegeben.
"Ich bin den Investoren für ihr Vertrauen in unser Land dankbar", sagte Merz bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) weiter. "Wir wollen und wir werden diesem Vertrauen gerecht werden."
Die Bundesregierung werde die Bedingungen für Investitionen in Deutschland unter anderem durch weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und eine bessere Infrastruktur verbessern, sicherte der Kanzler zu. Der Gipfel sei nur der Anfang: "Wir werden das wiederholen und weiter um Investoren werben."
Zu dem Investitionsgipfel waren etwa 200 Unternehmenschefs aus dem In- und Ausland erwartet worden. Merz hatte den Gipfel am Montagabend eröffnet und dabei auch ein Bühnengespräch mit Nvidia-Chef Jensen Huang geführt. Zuvor war Huang auch mit scharfer Kritik an Deutschland aufgefallen - als Wirtschaftsstandort sei es technologisch zurückgefallen. In Berlin sagte Huang am Montag, er glaube an Deutschland und kündigte weitere Investitionen in vier Startups an.
Amazon machte seine Investitionspläne am Dienstag bekannt: Der US-Internetriese will demnach im Jahr 2027 in Deutschland mehr als 16 Milliarden Euro in "Arbeitsplätze, Technologie und Infrastruktur" investieren. Dazu gehörten der Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur, schnelles Satelliteninternet über das Netzwerk Amazon Leo, neue Logistikprojekte sowie ein neues Programm von Prime Video, erklärte der Konzern.
"Genau solche Investitionen brauchen wir", erklärte Reiche zu den Plänen. "Sie stärken Deutschlands Position im internationalen Technologiewettbewerb - und schaffen dabei Wertschöpfung und Arbeitsplätze." Die Investitionen seien "ein klares Vertrauensvotum für den Zukunftsstandort Deutschland".
Die CDU-Politikerin hatte am Morgen im Deutschlandfunk für mehr Zuversicht plädiert: Der Blick, "den wir auf unser Land haben, darf manchmal etwas optimistischer sein". Alle Investoren fragten sie, "Warum guckt ihr eigentlich auf euer eigenes Land mit so viel Pessimismus?", sagte Reiche weiter.
Klingbeil äußerte sich am Nachmittag ähnlich: Deutschland müsse sich weiter anstrengen und Reformen voranbringen, "aber wir können ein bisschen auch positiv sehen, was wir erreicht haben".
Die Bundesregierung hatte zum Auftakt des Gipfels auch eine Partnerschaft mit Nvidia verkündet. Ziel der Partnerschaft mit Nvidia ist es laut Bundesregierung, "industrielle KI systematisch in die breite Anwendung zu bringen und ein hochmodernes industrielles KI-Ökosystem in Europa zu etablieren - mit starken deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen".
Reiche und Merz unterstrichen im Zusammenhang mit dem weiteren Hochlauf der KI die Bedeutung der Unternehmensdaten. "Wir verfügen über einen enormen Vorteil: Unsere Industrien haben wertvolle Daten gesammelt, und wir sind entschlossen, diese selbst zu nutzen", sagte Merz am Dienstagmorgen. Er wies auf den "rasanten technologischen Wandel" insbesondere im KI-Bereich hin.
"Unsere beste Chance, die wirtschaftlichen Chancen der KI optimal zu nutzen, besteht darin, uns weiterzubilden und uns in die Lage zu versetzen, den Aufbau unserer eigenen KI-Kapazitäten und -Fähigkeiten voranzutreiben", sagte der Bundeskanzler. "Deshalb schlagen wir heute einen ehrgeizigen deutschen und europäischen Kurs ein, insbesondere im Bereich der industriellen KI."
Die erste Welle der künstlichen Intelligenz habe "das Internet ausgelesen, also im Wesentlichen Text und Bilder", sagte Reiche im Deutschlandfunk. Die nächste Welle der künstlichen Intelligenz gelte den Maschinendaten.
"Und hier hat Deutschland mit über 20 Prozent industrieller Arbeitsplätze den größten Schatz an industriellen Daten aus unseren Prozessen, Fertigungen, häufig jahrzehntelange Erfahrungen, kondensiertes Wissen", sagte Reiche. Sie selbst und auch Nvidia-Chef Huang seien davon überzeugt, dass "mit den Daten Wachstum zu generieren" und "völlig neue Geschäftsmodelle, Effizienzen zu heben" seien.
Reiche wies zum Abschluss der Konferenz auch darauf hin, dass Deutschland weiter für sich werben müsse - "denn die Konkurrenz schläft nicht". Auch andere Staaten hätten erfolgreiche Investitionsgipfel veranstaltet, sagte die Ministerin. "Das heißt, wir befinden uns in einem Wettbewerb um Kapital".
M.Vecchiarelli--LDdC